4. Semester Erfahrung

Endlich! (Klausurenphase überlebt)

Es wird den meisten von euch so gehen, all denen, die auch an der Fernuni sind. Die Klausurenphase ist vorbei. Endlich.

Dieses Semester war ein Höllenritt und dementsprechend vernachlässigt diese Webseite. Ein privates Unglück jagte das andere und so saß ich mit vier angewählten Modulen in einem Dauermodus aus Sorge, Angst, Stress und gelegentlich kompletter Überforderung. Unfälle, Todesfälle, defekte Elektrogeräte und schwindende Finanzen. Jeder kennt es: wenn es kommt, dann dicke.

Zumindest weiß ich nach diesem Semester, dass ich das Studium nie schmeißen werde, wenn ich es nach diesem nicht getan habe. Das ist auch eine Errungenschaft.

Und wie sind die Klausuren gelaufen? Zur Erinnerung: gewählt hatte ich ÖR EM, Grundlagen EM, Handels- und Gesellschaftsrecht und ZPO. Und gerade ÖR und ZPO hatten es in sich. Am Ende fehlten mir genau die zwei Wochen, die ich als ungefähre Ausfallzeit berechnet hatte. Und ich bin kein Sprinter. War ich nie. Ich kann nicht Bulimielernen, nicht dann nochmal schnell vor den Klausuren die Nacht durchmachen. Meine Erfolge und Niederlagen fußen auf Beständigkeit. Regelmäßiges Lernen, nicht geballt. Ganz im Gegenteil sorgt meine Prüfungsangst dafür, dass ich in den letzten Tagen vor den Klausuren weniger aufnahmefähig bin also sonst. Aber da hat ja jeder seine eigenen Strategien.

EM Grundlagen war für mich tatsächlich die erste Präsenzklausur im Studienzentrum Hannover. Und so sehr ich allein des Zeitaufwandes und der Kosten wegen für Onlineklausuren plädiert habe muss ich doch konstatieren, dass mir persönlich die Präsenzklausur gut tut. Die fremde Umgebung wirkt klärend und beruhigend auf mich. Neutral. Ich bin nicht ständig mit dem Kopf bei privaten Dingen. Und die Aufgabenstellung war human. Aus drei Aufgaben durfte man wählen. (Also wahlweise Verfassungsrechtsgeschichte, Privatrecht oder Strafrecht). Im Vorfeld hatte ich mich am meisten für Privatrecht begeistern können. (Inklusive Begeisterung für Pufendorf, so dass ich mir in der Uni-Bib ein E-Book mit Biografie besorgt habe).  Machbar, auch wenn ich nur mittelmäßig abgeschnitten haben dürfte. Ich nehme an, meine Aufgabengewichtung war nicht sonderlich elegant.

Dann kamen die beiden Kracher. ZPO, das ich nur auf den letzten Drücker zu lernen begonnen hatte. Es ging ja „nur“ um den Freiversuch. Die Aufgabenstellung war sehr dankbar, wenn man sich ansieht, dass die Uni in den letzten Jahren doch oft gerade die E-Klausuren besonders hart gestaltet hat, um Betrüger auszusondern. Denjenigen, die ehrlich schreiben hat sie es damit nicht leichter gemacht. Aber diesmal reines Erkenntnisverfahren. Heißt nicht, dass ich bestanden haben muss, aber dafür, dass ich mit dem Gefühl reingegangen bin, dass es sehr schiefgehen kann, war es in Ordnung.

Und dann kam die schlimmste Klausur. ÖR. Während ich AT letztes Semester toll und machbar fand, weil die Klausuren einfach gut zu strukturieren waren, hat mich die Masse des Moduls in Verbindung mit dem akuten Zeitmangel einfach erschlagen. Ich wusste: wenn Kommunalrecht kommt, dann kann ich mit großer Wahrscheinlichkeit einfach gleich den PC wieder runterfahren. Baurecht könnte klappen, muss aber nicht. Und ich hoffte einfach auf Polizeirecht. Als der Sachverhalt aus meinem Drucker kam war ich komplett ungläubig. Ein beinahe schon durch alle Fallbücher „durchgenudelter“ Fall. Der Blitzerfall. Mann steht mit Pappschild vor Blitzer warnend an der Straße. Ein Teil von mir freute sich wie wahnsinnig. Polizeirecht und ein bekannter Fall, ein anderer ärgerte sich. Ich hatte mir hier vor allem den materiell-rechtlichen Teil angeschaut und dann zulange über den Regelungsgehalt und den VA gebrütet. (Klassiker: zu eingehende Zulässigkeitsprüfung, dann Zeitmangel und die Begründetheit… Himmel! Jetzt (!!!) verstehe ich die Memes, die dazu im Netz kursieren und habe mir vorgenommen, in Zukunft zuerste nach Lösungsskizze die Begründetheit zu machen und dann lieber am Anfang zu schluren. Auch kann die Bekanntheit des Falles natürlich Betrug befeuert haben, oder allein der Bekanntheit wegen allen entgegengekommen sein, so dass der Schnitt sich so gestaltet, dass es zum Bestehen nicht reicht. Aber die Dankbarkeit, die volle Zeit geschrieben zu haben, war groß.

Fehlte nun noch Handelsrecht. Und ehrlich: ich konnte schon nicht mehr. Gerade Gesellschaftsrecht war gar nicht meins, aber weil es wie Arbeitsrecht ein sehr „geschlossenes“ Rechtsgebiet ist, war es sehr, sehr lernbar. Angst bestand nur, dass der Lehrstuhl fieses auspacken würde. Ich hatte auf Vor-GmbH getippt. Noch schlimmer: Rechtsnachfolge, Unternehmensverkauf oder Fusionen. Vielleicht AG, denn die kam weder in den Hemmer-Fallbüchern noch im Vorfeld groß dran. Aber nein, wieder die dankbarste Aufgabenstellung. Allen ernstes die Grundlagenfragen. GbR, OHG, Vertretung. Natürlich kann es sein, dass ich wesentliche Punkte übersehen habe, aber hier hoffe ich eigentlich das Beste.

Wenn ich nach diesem elend furchtbaren Semester zwei von vier bestanden habe, ist das nicht toll, aber OK. Wenn ich drei von vier geschafft habe, tanze ich schon Samba auf den Tischen. An vier von vier wage ich nicht zu glauben.

Euch allen natürlich Daumen gedrückt. Ich brauche, BRAUCHE jetzt dringend die Pause, für die seit Monaten jede Zeit gefehlt hat.

Das neue Semester bringt dann Strafrecht EM, Familienrecht und Erbrecht und zudem zwei Vertiefungsmodule (Strafrecht, Zivilrecht). Und natürlich das, was nicht bestanden wird und wiederholt werden muss. Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und hoffentlich ein paar freie Tage.

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